Modellprojekt zur Armut: Helfen und helfen lassen

Handlungsfelder:
HINTERGRUND:
Seit einiger Zeit thematisieren Medien und Politik das Problemfeld „Armut“ immer stärker, wobei neben der Kinderarmut aktuell der Schwerpunkt auf dem Aspekt Altersarmut liegt. Im Landkreis Ebersberg wird die Problematik bereits diskutiert. Es ist davon auszugehen, dass die Thematik in den kommenden Jahren an Schärfe zunehmen wird – insbesondere im Personenbereich der alleinstehenden weiblichen Rentenbezieher, da sich gerade in eher bäuerlichen Regionen die niedrigen Renten bemerkbar machen werden. Verschärfend kommt hinzu, dass vor allem bei der älteren Generation ein großes Schamgefühl besteht, staatliche Hilfeleistungen in Anspruch zu nehmen. Die eigene Armut wird bei einem Großteil der Menschen eher verschwiegen oder verheimlicht. Es stimmt: Armut macht schweigsam und einsam. Dass Scham- und Angstschwellen abgebaut werden können, zeigen die Erfahrungen im Bereich Arbeitslosigkeit. Noch vor einem Jahrzehnt war es den Menschen unangenehm über ihre Arbeitslosigkeit zu sprechen, viele haben diese Situation verheimlicht. Seit Einführung von Hartz IV ist die Thematik nicht mehr mit einem Tabu belegt, Menschen reden offen darüber und nehmen ohne Probleme staatliche Hilfeleistungen in Anspruch.
Ziele und Ergebnisse:
Eine Verhinderung bzw. ein gänzlicher Abbau von Kinder- und Altersarmut wird dem Landkreis nicht alleine gelingen. Es bedarf anderer Maßnahmen, eher auf nationaler Ebene. Mit diesem Projekt sollen von Armut Betroffene motiviert und in die Lage versetzt werden, Hilfe in Anspruch zu nehmen, Leistungen nachzufragen, die ihnen vom Gesetzgeber oder Freien Trägern gewährt werden und sich aktiv an der Verbesserung ihrer Situation zu beteiligen. Im Spezialgebiet „Altersarmut“ sollen Wege aufgezeigt werden, wie die bestehende Angst- bzw. Schamschwelle bei den Betroffenen abgebaut werden kann.
  • Fachleute gehen davon aus, dass die Dunkelziffer bei „Grundsicherung im Alter und Erwerbsminderung“ außergewöhnlich hoch ist. Es sollen Grundlagen im Landkreis geschaffen werden, um die Problematik quantitativ und qualitativ zu fassen und zielführende, langfristig tragfähige Lösungsansätze zu erarbeiten.
  • Für Betroffene sollen Aufgabengebiete erschlossen werden (gerade im Ehrenamt), die dazu dienen, ihnen das Gefühl der Würde und des Gebrauchtseins zu geben.
  • Das Thema soll breit über alle zur Verfügung stehenden Medien, auch digitale Medien und Netzwerke, in der Öffentlichkeit gestreut werden.
Vorgehen:
  1. Untersuchung zur Armutssituation, zu den Gründen und der zu erwartenden Entwicklung im Landkreis. Eine solche „Armutserhebung“ wird von der Sozialplanerin des Landkreises in Zusammenarbeit mit dem Team Demografie im Jahr 2018 umgesetzt.
  2. Breit aufgestellte Informations- und Aufklärungskampagne über das Thema Armut
  3. Der zentrale Sozialdienst (ZSD) des Landratsamtes führt das aus München bekannte Modell der präventiven Hausbesuche im Landkreis Ebersberg verstärkt fort. Hierbei werden Senioren auf Wunsch zuhause besucht und über die bestehenden Angebote des Landkreises informiert. Darüber hinaus werden deren spezielle Bedürfnisse erhoben.
  4. Steigerung des Bekanntheitsgrades des Spendentopfes „Fördern und Helfen“ für Senioren sowie Verbesserung der Inanspruchnahme durch aufsuchende Sozialarbeit und weiterer Abbau bürokratischer Hürden
  5. Entwicklung von Methoden um Betroffene zu Beteiligten zu machen. Ein Ansatzpunkt könnte ein peer-to-peer Beratungsmodell sein, bei dem Betroffene sich (ggf. unter Anleitung eines Moderators) gegenseitig motivieren und unterstützen, z. B. beim Ausfüllen von Anträgen. Der Arbeitsprozess soll sich an erfolgreichen Modellen aus vergleichbaren Handlungsfeldern orientieren, z. B. Suchtberatung oder Schulsozialarbeit zu Gewaltprävention und Mobbing oder peer-to-peer Mentoring der LMU München.
Beteiligte:
Landratsamt Fachbereiche Soziales, Gesundheit (Betreuungsstelle) und Jugend, Familie und Demografie (Familienbeauftragte) u. a., Wohlfahrtsverbände im Landkreis: Caritas, Diakonie, Arbeiterwohlfahrt; Organisationen und Gruppierungen auf Gemeindeebene, (z. B. Seniorenbeiräte der Gemeinden und Städte, Tafeln, Seniorenbetreuung und –kreise), auch Sozial-Stiftungen
Laufzeit:
2018 - 2023